Über Bruce

Bruce Frantzis ist ein Taoistischer Linienhalter und Meister, mit mehr als 40 Jahren Erfahrung in östlichen Heilsystemen. Er ist der erste im Westen bekannte Mensch, der eine authentische Linie jeweils in Qi Gong, Bagua, Tai Chi, Hsing-I und Taoistischer Meditation hält.

Bruce hat über eine Dekade in China trainiert, und verfügt auch über umfangreiche Erfahrungen in Zen, Tibetischem Buddhismus, Yoga, Kundalini, Energieheilungstherapien, und der Feuer und Wasser Tradition des Taoismus.

Bruce's Referenzen:

  • 16 Jahre Training in China, Japan and Indien.
  • 20 Jahre Studium von Zen, Yoga, Kundalini und der Taoistischen Feuer Tradition.
  • Er ist der erste bekannte Mensch aus dem Westen, der eine authentische Linie jeweils in Qi Gong, Bagua, Tai Chi, Hsing-I und Taoistischer Meditation hält. Seine Meditationslinie ist direkt verbunden mit der von Lao Tse, dem Autor des Tao Te King, dem am zweithäufigsten übersetzen Buch der Welt.
  • Ausgiebiges Studium der Wasser Tradition mit dem taoistischen Linienhalter und Meister Liu Hung Chieh in China.
  • Ausbildung von mehr als 20.000 Schülern in Qi Gong, Bagua, Tai Chi, Taoistischer Meditation und anderen taoistischen Energiekünsten.
  • Zertifizierung von mehr als 400 Instruktoren weltweit.
  • PhD in Health Sciences.
  • Er war 1981 der erste Westler, der in Beijing von der Volksrepublik China zertifiziert wurde, das komplette System des Tai Chi Chuan zu unterrichten.
  • Studium der Akupunktur und Arbeit als Qi Gong Arzt und Tui Na Körpertherapeut in medizinischen Kliniken in China, mit Heilerfolgen bei mehr als 10.000 Krebspatienten.
  • Spricht fließend Chinesisch und verwendet seine Muttersprache Englisch, um die Aussagen zum Begriff Chi von den Metaphern und den vagen Formulierungen der ursprünglichen Sprache zu befreien.
  • Spricht fließend Japanisch.
  • Autor von acht Büchern über Chi Praktiken, darunter Tai Chi, Kampfkunst und Taoistische Meditation.
  • Dozent an der englischen Oxford Universität und Berater der Qi Forschungsgruppe der Harvard Universität.

Seit 1961 ist Bruce Frantzis der 3.000 Jahre alten taoistischen Tradition des Krieger / Heiler / Mönchs gefolgt, durch das Studium, dem Praktizieren, Lehren und Schreiben über die Energiekünste wie Qi Gong, Energetische Heiltherapien, Taoistischer Meditation und Kampfkünste wie z.B. Tai Chi. Das Herz seiner Tradition liegt in der Kultivierung des Chi's, der inneren Energie, die Körper, Geist und Seele mit dem zugrundeliegenden Bewusstsein des Universums (Tao) verbindet.

Bruce Frantzis hat ein praktisches und umfassendes System von Lehrprogrammen entwickelt, das Energy Arts Programm genannt, welches Menschen jeden Alters und jedes Fitness-Levels in die Lage versetzt, ihre Lebensenergie zu vermehren und eine lebendige Gesundheit zu erlangen. Viele seiner Instruktoren haben eigene Schulen eröffnet.

Seine Bücher, CDs, DVDs, Instruktionshandbücher und Artikel, die er in seinem monatlichen Newsletter anbietet, helfen dabei, Menschen im Westen die chinesischen Energiekünste zu vermitteln, und unterstützen sein Engagement die praktische taoistische Tradition zu verbreiten. Obwohl es im Kern eine spirituelle Tradition ist, üben die meisten Schüler Taoistische Energietechniken für säkulare Zwecke, wie Stressreduktion, Heilung von Krankheiten, um Gesund zu bleiben, und um sich wohler zu fühlen.

Bruce Frantzis: Der Weg des Kriegers, Heilers und Priesters 

Von Stuart Kenter, Vorwort aus dem Buch Die Energietore des Körper öffnen erschienen im Windpferd Verlag (2002, 2006)

Hong Kong: Auf der Suche nach der geheimen Chi Kraft

Jeder, der Tai Chi, Qi Gong und die Kampfkünste ernsthaft übt, träumt davon bei einem authentischen asiatischen Großmeister zu studieren und von ihm in alle Geheimnisse dieser Künste eingeweiht zu werden. Diese Geheimnisse der inneren Kraft Chi werden nicht öffentlich unterrichtet, sondern nur an ausgewählte Familienmitglieder oder die vertrautesten Schüler weitergegeben. Von einem chinesischen Großmeister als enger Schüler aufgenommen oder adoptiert zu werden lässt sich mit der Zulassung zu einem Forschungauftrag bei einem der weltweit führenden Professoren in Harvard oder Oxford vergleichen.

Bruce Frantzis ist einer der wenigen aus dem Westen, dem es tatsächlich gelungen ist, diesen Traum zu verwirklichen. Während einer Odyssee durch die verschiedenen Kampfkünste, die 1961 begann, war er immer bestrebt, bei einem Großmeister oder Linienhalter zu studieren. Wie andere westliche Ausländer auch, die diesen Weg gehen wollten, wurde Bruce an den hermetisch verschlossenen Türen zu Chinas Festland permanent zurückgewiesen – einem Land , wo er in jenen Jahren noch isoliert war und unter den Folgen gewaltiger politischer Umwälzungen litt. Seine Enttäuschung wurde noch durch ein kaum überwindliches Hindernis verstärkt: die unausgesprochene Übereinkunft der Asiaten, die geheimsten Lehren nicht an Ausländer weiterzugeben.

Während dieses Sommers in Beijing studierte Bruce vormittags die im Auftrag der Regierung vereinfachte Form des Tai Chi, "Push Hands" und Waffenformen. Im Unterricht wurde der Gesundheitsaspekt des Tai Chi zugunsten der Kampfanwendungen hervorgehoben. Hier entwickelte Bruce sein Wissen und das tiefe Vertrauen in Tal Chi als umfassendes Gesundheits- und Heilsystem. Wie wir noch sehen werden, sollte Bruce später Übungen aus Tai Chi und Qi Gong zu einem wirksamen gesundheitlichen Vorsorgeprogramm zusammenstellen. Zum Abschluss des Tai Chi Kurses attestierte die chinesische Regierung Bruce als erstem westlichem Ausländer die Lehrbefähigung für das gesamte System des Tal Chi Chuan.

Am Nachmittag pflegte er den 79 Jahre alten Großmeister Liu Hung Chieh aufzusuchen. Nach Abschluss des Tai Chi Kurses studierte er vormittags und nachmittags mit Liu und behielt diese Standardpraxis während der ganzen Zeit bei, die er in Beijing lebte.

Beijing: Der Großmeister Liu Hung Chieh

Frantzis studierte für insgesamt 3 Jahre mit Liu Hung Chieh, der in seinen 80zigern war. Liu besaß eine faszinierende Vergangenheit. Er hatte mit dem Begründer des Wu-Stils, Wu Jien Chuan, gelebt und studiert, und er war das jüngste Mitglied der Bagua Chang Schule in Beijing gewesen. Schon in seinen Dreißigern hatte ihn die buddhistische Tien Tai Schule für erleuchtet erklärt. Darauf begab er sich in die Berge Westchinas und studierte zehn Jahre bei den dort lebenden Taoisten. Er war Linienhalter in den Traditionen des Tal Chi, Hsing-I und Bagua sowie Adept in taoistischem Qi Gong und taoistischer Meditation.

Liu hielt sich, wie viele andere traditionell gesinnte Kampfkünstler, vom öffentlichen Leben fern. Tatsächlich hatte er seit 1949, dem Jahr der kommunistischen Revolution in China, nur eine Person in Hsing-I und Bagua unterrichtet - Bruces Lehrer in Hongkong, Bai Hua. Als Bruce Bai Hua fragte, ob Liu ihn in Beijing als Studenten annehmen würde, antwortete dieser: "Wer weiß? Er unterrichtet so gut wie niemanden, und es ist unmöglich vorauszusehen, was er tun wird."

Von der ersten Begegnung an verhielt sich Liu Bruce gegenüber aufgeschlossen. Bruce erkannte sofort, dass die zwanzig Jahre, die er zuvor intensiv mit Kampfkunst und Meditation verbracht hatte, für das Studium mit diesem Manne nur als Grundlage dienen würden. Der mehr als doppelt so alte und weniger als halb so schwere Liu konnte Bruce hochheben und mit Leichtigkeit und nach Belieben umherbewegen. Bruce dagegen gelang es buchstäblich nicht, Liu auch nur den kleinen Finger zu krümmen. Er, den man in Hongkong und Taiwan als "junger Meister" anerkannte, war zutiefst beeindruckt. Liu klärte ihn mit den folgenden Worten auf: "Um Energie zu haben, bedarf es mehr, als nur groß und stark zu sein."

In den Jahren, die er bei Liu studierte, konnte er häufig den Erfolg der taoistischen Verjüngungstechniken beobachten, die der Ältere praktizierte. Diese schienen ihn innerhalb weniger Stunden oder Tage von einem alten in einen jungen Mann zu verwandeln. Diese Transformation war verblüffend, und Bruce hielt die Kontrolle über den Alterungsprozess für den Beweis wahrer Meisterschaft.

Bruce bat Liu, ihn in Bagua zu unterweisen. Der Unterricht war mit den aufreibendsten Energieübungen verbunden, denen er sich jemals unterzogen hatte. Nach den Übungsstunden war er meistens so erschöpft, dass Liu ihm sein eigenes Bett zum Ausruhen anbot, ihn dann mit buddhistischen und taoistischen Geschichten unterhielt und ihn die Meditation lehrte.

ahre später verriet Liu, dass der einzige Grund, weshalb er zugestimmt habe, Bruce zu unterweisen, der war, dass ihm seine Ankunft in einem Traum vorausgesagt worden sei. Liu hatte in seinem Leben fünf prophetische Träume gehabt, die alle in Erfüllung gegangen waren. Wie viele andere ältere Taoisten glaubte auch Liu daran, dass sich karmische Verbindungen erfüllen, und spürte tief im Inneren, dass eine Solche Verbindung zwischen ihm und Bruce existierte. Deshalb lehrte Liu Bruce die inneren Geheimnisse des Qi Gong und anderer taoistischer Energiekünste, die in diesem und weiteren von Bruce verfassten Büchern vorgestellt werden.

New York: Die ersten Erfahrungen in den Kampfkünsten

Bruce wurde im April 1949 in New York geboren. Er war ein dickes, unbeholfenes Kind, das mit zwölf Jahren mitansehen musste, wie ein Schulkamerad bei einer Schlägerei auf dem Schulhof schwer verletzt wurde. Dieses Ereignis hatte einen nachhaltigen Einfluss auf ihn, denn ein Plakat in der U-Bahn, das mit dem Slogan "Fürchte dich vor niemandem!" warb, führte ihn umgehend in seine erste Judo-Stunde. Kurz danach begann er, sich mit Karate, Jiu-Jitsu, Aikido und Zen-Buddhismus zu befassen.

Er war 14 Jahre alt, als er sich noch intensiver mit Zen-Buddhismus beschäftigte. Zen gebrauchte er hauptsächlich, um sich beim Karate und bei den Waffenformen störender Hemmungen zu entledigen. Die Meditation diente ihm in diesem jungen Alter als Hilfsdisziplin für die Kampfkünste und nicht für die spirituelle Entwicklung. Selbst ohne die spirituelle Komponente verschaffte ihm Zen eine geistige Zielgerichtetheit, die ihm die Kraft gab, alle Hindernisse zu überwinden.

Es erscheint nur folgerichtig, dass er in den ersten Jahren sein ungeteiltes Interesse auf die japanischen Kampfkünste richtete. Er bestand die Prüfungen zum Schwarzgurt in Jiu-Jitsu, Karate und Aikido, bevor er überhaupt zum ersten Mal in den Fernen Osten reiste. Einen weiteren Schwarzgurt erwarb er dort kurz nach seiner Ankunft. Auf Anraten seines Jiu-Jitsu-Meisters lernte er Shiatsu (japanische Meridianmassage) und behandelte schon während seiner Highschool-Zeit Patienten. Aikido und Shiatsu beruhen auf der Beherrschung des Ki (Ki ist das japanische Wort für Chi oder Lebensenergie): im Aikido bildet es die Grundlage der Kampfkraft, im Shiatsu der Heilkraft. Bruce interessierte und entschied sich also schon recht früh für das große Gebiet der Energie- und Gesundheitslehren.

Mit 18 Jahren war ihm bereits klar geworden, dass er, um zum wahren Wesen der fernöstlichen Kampf-, Heil- und Meditationssysteme vorzudringen, deren Quelle finden müsste. Dieses Verlangen führte ihn für 16 Jahre zu Studien im Ausland: elf Jahre nach China, drei nach Japan und zwei nach Indien.

Paradoxerweise drückte sich auch sein anhaltendes Interesse für Gesundheit und Meditation in destruktiven Vorstellungen aus: Die Zen-Meditation wurde seine Waffe, um die absurden Schichten des Geistes zu zerstören, und die Massage sein Werkzeug, um die Beschwerden und Schmerzen der Patienten zu bezwingen. Erst später, etwa mit Mitte 20, orientierte er sich grundlegend um. Seine Hinwendung zu Gesundheit und allgemeinem Wohlbefinden füllte ihn von da an ungebrochen aus, und er beschäftigte sich intensiv damit, die Kampf-, Heil- und Meditationstechniken konstruktiv einzusetzen, um die nutzbringenden Aspekte von Körper, Geist und Seele vor Schaden zu bewahren.

Dieser Umschwung fand in China statt. Hier beobachtete er ältere Praktizierende beim Qi Gong, die deutlich gesünder und leistungsfähiger waren als halb so alte Landsleute. Zu Beginn war er tief beeindruckt, welche physischen Kräfte sich beim Qi Gong durch körperliche Bewegungen erwerben ließen. Als er dann auch noch die Qi Gong Übungen kennenlernte, mit denen man die Lebensenergie direkt beeinflussen kann, fing er an zu verstehen: Hier gab es eine Methode, Kraft und Vitalität auf gesunde Weise zu erhalten und zu vermehren. Dazu fiel ihm auf, dass alle, die er beim Üben beobachtete, und das Schloss ihn selbst ja auch ein, zunehmend kräftiger wurden - und zufriedener. In den Krankenhäusern, in denen er mehrere Jahre mit therapeutischer Qi-Gong-Massage (Tuina) arbeitete, erlebte er, wie Menschen, die ihr Leben lang krank gewesen waren, durch Qi Gong zu Gesundheit und zu neuer Leistungsfähigkeit aufblühten. Er sah, wie viele Patienten, die neurotisch, geistig gestört oder eindeutig verrückt waren, die zu extremer Wut, Depression und Angstzuständen neigten, durch Qi Gong ruhig, gefestigt und selbstsicher wurden. Er wurde Zeuge, wie Qi Gong bei genereller Antriebsschwäche wieder zu geistiger Klarheit und Wahrnehmungsfähigkeit führte. Nach Bruces Ansicht wirken chinesische Methoden nachweislich besser und sinnvoller als vieles, was westliche Medizin und Sportwissenschaft zu bieten haben.

Tokio: Der Weg des Aikido

1967, im Alter von 18 Jahren, ging Bruce zum ersten Mal nach Japan. Dort schrieb er sich an der Sophia-Universität in Tokio ein. Sein Hauptinteresse galt immer noch den harten Stilen der Kampfkünste. Außerdem hatte er das große Glück, von 1967 bis 1969 bei dem Gründer des Aikido, Morihei Ueshiba studieren zu können.

Ueshiba war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, sein überdurchschnittliches Niveau der Chi-Meisterschaft schien unerreichbar. Während seiner letzten Lebensmonate- als er schon zu schwach zum Gehen war, wurde er zu den Übungsstunden ins Dojo getragen. Selbst in diesem Zustand konnte er sich noch erheben und genügend Energie mobilisieren, um seine stärksten Studenten wie leichte Puppen zu Boden zu schleudern. Nach dem Training wurde er dann wieder in sein Bett getragen. Bruce betrachtete solche Episoden als beeindruckendes Beispiel dafür, wie die Lebenskraft die reine Körperlichkeit überwindet.

Auch wenn Ueshiba die physischen Techniken und die spirituellen Lehren des Aikido an seine Studenten weitergegeben hatte, fühlte Bruce, dass keiner von ihnen Ueshibas hohes Niveau der Chi-Beherrschung besaß. Es war eine allgemein bekannte, aber im Dojo nicht gern zugegebene Tatsache, dass sich Ueshibas System, nachdem er in China längere Zeit als Mönch gelebt hatte, entscheidend verändert hatte; aus Aiki-Jitsu entstand Aiki-Do (Do ist das japanische Wort für Tao). Das heißt, aus einer auf Jiu-Jitsu beruhenden Kriegskunst wurde ein "Weg", der auf dem Ki oder Chi aufbaute. Zu diesem Zeitpunkt besaß Bruce fünf Schwarzgürtel in den japanischen Kampfkünsten. Er hatte schon viele der großen japanischen Kampfkünstler aufgesucht, aber keiner von ihnen konnte sich in seinen Augen auch nur im Entferntesten mit Ueshibas gewaltigen Chi-Kräften messen. Bruce wollte unbedingt herausfinden, welche Chi-Methoden Ueshiba in China erlernt hatte.

Taiwan: Der erstaunliche Wang Shu-Jin

Als Bruce 1968 Taiwan besuchte, begegnete er Wang Shu Jin, einem Meister der inneren Kampfkünste, der ursprünglich aus Tianjin stammte. Wang war über 70 Jahre alt und schwer übergewichtig. Bei einer Größe von 1,72 m wog er mehr als 250 Pfund. Gleichwohl erwies er sich körperlich wendiger als der jüngere Bruce, den er nach Belieben umherstieß.

Bei ihrer ersten Unterhaltung behauptete Wang, dass die Kampftechniken des Karate minderwertig seien und dass langjährige Karate-Praxis den Körper schädige und vorzeitig altern lasse. Bruce, der bis dahin hauptsächlich Karate studiert hatte, widersprach leidenschaftlich. Das führte, wie es bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Kampfkünstlern häufig der Fall ist, zu einer Herausforderung. Wang bot Bruce an, den Wahrheitsgehalt seiner Behauptung im Kampf zu beweisen.

Bei diesem Kampf erinnert Bruce sich am deutlichsten daran, dass seine Hände und Füße furchtbar schmerzten, wenn er sie gegen die verschiedenen Körperteile Wangs einsetzte. Besonders Wangs beängstigende Angewohnheit, während des Duells immer wieder unerwartet in seinem Rücken aufzutauchen und ihm leicht auf die Schulter zu klopfen, ist ihm noch heute vor Augen. Ein kurzer Moment dieses Kampfes hat sich ihm tief ins Gedächtnis eingeprägt: Das war, als Wang mit halb geschlossenen Augen langsam auf ihn zukam. Bruce erzählt, dass er in tiefster Seele um sein Leben fürchtete. Er wich zur Wand zurück, sammelte alle seine Kräfte und trat Wang, so fest es ging, mit der Ferse in den Solarplexus. Dieser Tritt riss Wang prompt aus der Trance und fachte seinen Zorn an. Er schlug Bruce mit minimaler Kraft auf den Kopf, und dieser fühlte einen elektrischen Schlag durch seinen Körper jagen. Als Nächstes kann er sich nur noch daran erinnern, dass er plötzlich zu seiner völligen Verblüffung auf dem Boden saß.

Bruce begann bei Wang in der 5-Uhr-Morgen-Klasse im Taichung Park zu trainieren. Etwa nach einer Woche fragte ihn ein alter Mann, ob er "spielen" wolle. Der Mann war unscheinbar und mager, eben ein ganz normaler Kursteilnehmer. Bruce fühlte sich ein wenig unbehaglich, er wollte seine Körperkräfte gegenüber dem Alten nicht ausnutzen. Schließlich willigte er ein. Nachdem er ein paar Mal getroffen worden war, sah er ein, dass alle Skrupel unangebracht waren. Er setzte dem alten Mann so energisch wie möglich zu, aber dieser hatte keine Mühe, mit Bruce als Gegner fertig zu werden. Bruce war fassungslos über den Ausgang des Kräftemessens. Während er noch ganz benommen dastand, kam die Frau des Alten herüber und erkundigte sich, ob sie es auch einmal probieren könnte. Nach einem Jahr Erfahrung in Japan wusste Bruce nicht, wie er solche Aufforderungen ablehnen sollte. Zu seiner Überraschung musste er feststellen, dass sie mit ihm auf dem Niveau der besten japanischen Karateka der zweiten Dan-Stufe kämpfte.

Bruce war nach dieser Erfahrung mit dem alten Ehepaar so niedergeschlagen, dass er ernsthaft erwog, die Kampfkünste aufzugeben. Wenn Meister Wang Shu-Jin ihn besiegte, war das eine Sache - dass aber diese offensichtlich durchschnittlichen Schüler ihn schlagen konnten, beschäftigte ihn doch sehr. Zu jener Zeit war er immerhin schon vier Jahre lang Schwarzgurt-Kämpfer. Er hatte in Japan acht Stunden pro Tag trainiert, und doch sah es so aus, als ob er seine Chance verpasst hätte. Würden ihn als Nächstes Fünfjährige schlagen? Hätte er denn mit drei Jahren anfangen sollen statt mit zwölf? Hätte er gar vierzehn Stunden täglich trainieren sollen?

Ein paar Tage später ergab sich die Möglichkeit, mit dem älteren Ehepaar zu reden. (Damals sprach Bruce schon fließend Japanisch, das auch viele ältere Taiwanesen seit der Besatzungszeit beherrschten.) Sie hatten ihren Unterricht sieben Jahre zuvor bei Wang begonnen, weil der Mann an heftiger Arthritis litt. Er war anfänglich nur daran interessiert, seine Gesundheit wiederherzustellen, nicht die Kampfkünste zu erlernen. Nach drei Jahren Tai Chi, Hsing-I und Bagua war er wieder völlig gesund und glaubte, mit dem Training aufhören zu können. Sechs Monate später meldeten sich seine Beschwerden zurück. Als er wieder zu üben anfing, verschwanden die Symptome umgehend.

Am Tage vor dieser Unterhaltung hatte Bruce, um sein angeschlagenes Selbstbewusstsein wiederaufzurichten, gegen einen von Wangs jugendlichen Studenten gekämpft- und wurde noch vernichtender geschlagen. Ihm wurde schmerzhaft bewusst, welch hohes, kaum zu übertreffendes gesundheitliches und athletisches Niveau Wangs Studenten durch Qi Gong erreicht hatten. Bruces Gedanken gingen nun in eine andere Richtung: Wenn jeder Einzelne von Wangs Schülern so erfolgreich war, dann müsste auch er es schaffen können. Sein Entschluss, die inneren chinesischen Künste bei Wang zu erlernen, stand damit fest.

Wang erklärte ihm als Erstes den Unterschied zwischen den inneren und den äußeren Kampfkünsten. Die äußeren Systeme entwickeln die Knochen, Muskeln und Sehnen - kurz, die äußere Physis. Qi Gong und die inneren Kampfsysteme des Tai Chi, Hsing-I und Bagua fördern die Entwicklung und das Bewusstsein der Körperenergien, so dass Chi schließlich konkret wahrgenommen werden kann und greifbar wird. Das im Raum existierende Energiefeld erscheint einem Qi-Gong Übenden oder Adepten der inneren Kampfkünste so real wie einem Schwimmer das Wasser des Meeres.

Lange bevor die inneren Systeme überhaupt zur Selbstverteidigung genutzt wurden, waren sie schon Bestandteil des taoistischen Yoga. Ursprünglich sollten sie den Körper heilen, den Geist beruhigen, die Langlebigkeit fördern und die körperliche Grundlage für die höheren Stufen der Meditation bilden. Die inneren Kampfkünste zeichnen sich durch kreisförmige, fließende Bewegungen aus, die anatomische Stabilität, solide Körperdynamik sowie ein ausgeprägtes Gefühl für physische und psychische Kraft entwickeln. Der 19 Jahre alte Bruce sollte die an ihn gerichteten Worte des 73-jährigen Wang niemals vergessen: "Ich kann mehr essen als du, ich besitze mehr sexuelle Vitalität als du, ich bewege mich schneller und kämpfe erfolgreicher als du, ich werde nie krank. Und du glaubst, dass du gesund bist? Um gesund zu sein, bedarf es mehr als nur der Jugend. Chi kann dich alles dies lehren." Bruce sah ein, wie recht Wang hatte, und er studierte bei ihm, mit Unterbrechungen, während der folgenden zehn Jahre.

Er kehrte noch einmal an die Sophia-Universität in Tokio zurück, um dort an Kursen teilzunehmen. Gleichzeitig, von 1968 bis 1971, befasste er sich weiterhin mit den inneren Kampfkünsten bei dem Hsing-I Meister Kenichi Sawai und verschiedenen japanischen Schülern Wangs. Er hatte auch das große Glück, in dieser Zeit einem alten chinesischen Arzt zu begegnen, der ihn in der Massagetherapie Tuina, einem chinesischen System der Körperarbeit, unterwies, das er nach knapp zwei Jahren beherrschte. (Bruce sollte in der Folge noch mehr über dieses System lernen und es später in seiner Kliniktätigkeit auf dem chinesischen Festland einsetzen.) Mit diesem Arzt hatte Bruce zum ersten Mal jemanden gefunden, der mit seinen Händen jederzeit Chi übertragen konnte, um Krankheiten zu heilen und die geschwächter Körper anderer Menschen zu stärken. Während seines dritten Studienjahres in Japan ging Bruce mit einem speziellem Forschungsauftrag nach Okinawa, um dort Karate und die einheimischen Waffensysteme zu studieren. Hier, im eigentlichen Geburtsland des Karate, spürte er deutlich, wie sehr die Chi Methoden zur Stärkung des Körpers und hoch entwickelte Kampftechniken fehlten. Diese Erkenntnis veranlasste ihn endgültig dazu, die äußeren harten Kampfkünste aufzugeben und sein ganzes Streben auf die inneren Kampfkünste und Qi Gong zu richten.

Indien: Meditation zur Kultivierung von Chi

Aus den taoistischen Lehren Wang Shu-Jins in Taiwan wusste Bruce, dass die Energiekultivierung eine der Grundlagen der Meditation sein kann. Da Bodhidharma, wie die Legende berichtet, im fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Kampfkünste und die Meditation aus Indien zum Shaolin Tempel gebracht hatte, entschloss sich Bruce, immer schon ein passionierter Sucher authentischen Materials, die Quellen in Indien selbst kennenzulernen. (Die historischen Tatsachen, nach denen China schon Jahrhunderte vor Bodhidharmas Besuch hoch entwickelte Kampfkünste und Qi Gong Methoden besessen hatte, waren ihm damals nicht bekannt.)

Als er im Jahre 1971, nach viereinhalb Jahren Asienaufenthalt, in die Vereinigten Staaten zurückkam, war er von den chinesischen Lehrern, die er in den USA antraf, zutiefst enttäuscht. Seiner Ansicht nach hielten sie entweder Informationen zurück, hatten kein verbürgtes Wissen zu vermitteln oder konnten wegen ihrer offensichtlichen Sprachprobleme nur ungenügend und oberflächlich unterrichten. Er entschloss sich, wieder nach Asien, dem "Harvard" für Energiekultivierung, zurückzukehren. Bis 1987, als er sich fest in den Vereinigten Staaten niederließ, pendelte er zwischen Asien und dem Westen hin und her und verdiente seinen Lebensunterhalt durch Unterricht in Qi Gong und in den inneren Kampfkünsten sowie der Heilkunst des Tuina in den USA und in Europa. 1972, nach einem sechsmonatigen Gastspiel als Tai Chi Lehrer in Amerika, machte er sich auf den Weg nach Indien.

Zuerst begab er sich zu einem Ashram in Südindien, um die Techniken des Pranayama Yoga zu erlernen, der direkt mit der Lebensenergie arbeitet. Er übte in der klassischen Weise - durch Anwendung von Atem, Mantras und Mudras - in täglich vier Abschnitten zu jeweils drei Stunden. Nach drei Monaten solcher Intensität war Bruce "fähig, die Kundalini-Shakti zu erwecken", eine spirituelle Kraft, die das Bewusstsein reinigt und schließlich zur Erleuchtung führt. In Rishikesh, Nordindien, studierte er bei Guru Shiv Om-Tirth tantrische Kundalini-Meditation. Die dort gesammelten Erfahrungen versetzten ihn in die Lage, die fundamentalen energetischen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen dem chinesischen und dem indischen System der Lebenskraft zu erkennen und zu verstehen.

Bruce wusste, dass die indischen wie auch die chinesischen Methoden, wenn sie nur korrekt ausgeführt würden, durch Übung und Regulierung der Lebenskraft Krankheiten heilen und das Leben verlängern konnten. Beide Systeme hatten sich lange genug bewährt und, im wahrsten Sinne des Wortes, in Tausenden von Jahren viele Verbesserungen und Verfeinerungen erfahren. Der Hauptunterschied im Gesundheitsbereich betraf, soweit er erkennen konnte, die Übungspraxis: im chinesischen System geht es primär um Bewegung, um das unendliche, dem Wasser im Strom gleichende Fließen der Energie, während die indischen Methoden Körperhaltungen (Asanas) verwenden, die sich durch klar definierte Anfänge, Abschlüsse und Pausen zwischen den einzelnen Körperhaltungen auszeichnen. Dieser Unterschied macht sich auf der Erfahrungsebene tiefgreifender bemerkbar, als es zunächst aussehen mag. Tai Chi ist aktiv, Yoga passiv. Yoga scheint zu größerer Beweglichkeit zu führen, während Tai Chi mehr Kraft und Bewegungskoordination aufbaut. Doch beide sind einander auch ähnlich, da Hatha-Yoga mit den Asanas auf Pranayama vorbereitet - die Asanas öffnen den Körper und Pranayama arbeitet dann mit der Lebensenergie. Die inneren chinesischen Systeme nutzen dagegen spezifische Bewegungen, welche die Zirkulation der Lebensenergie zusätzlich anregen. Ohne bewusste innere Energiestimulation bleibt jedoch die aktivierte Energie in beiden Systemen minimal. Bruce ist der Ansicht, dass der Yoga, Tai Chi und Qi Gong Unterricht im Westen in den meisten Fällen die innere Komponente nicht vermittelt. Die alleinige Betonung der äußeren harten Kampfkünste, der äußeren Bewegungen Im Tai Chi oder der passiv geübten Asanas im Yoga kann, laut Bruce, nur eine äußerst begrenzte Menge an Chi in Bewegung versetzen.

Die beiden Systeme schließen einander keineswegs aus. Bruce glaubt, dass sie parallel zueinander ausgeübt werden können und sich konstruktiv unterstützen. Alle, die gegenwärtig Yoga praktizieren, können die inneren chinesischen Systeme dazu verwenden, die Auflösung von Energieblockaden und den Fluss der inneren Energie zu beschleunigen. Obwohl er während seiner Schulung in Indien die meisten schwierigen Asanas im Hatha-Yoga schließlich meisterte, fand Bruce dieses System nie so überzeugend wie die inneren Bewegungskünste Chinas.

Außerdem gab es etwas, das ihm bei seinen Erfahrungen in Indien nicht behagte: die Verehrung des Guru. Der Guru spielt in den indischen Traditionen eine Schlüsselrolle, denn er gilt als Gottes direkter Vertreter auf Erden. In seiner göttlichen Funktion wird ihm so viel Achtung und Verehrung entgegengebracht, wie sie nur wenige Abendländer einer lebenden Person erweisen würden. Obwohl die chinesische Tradition den Meistern ebenfalls größeren Respekt entgegenbringt, als man es im Westen kennt, werden die taoistischen Meister (nicht alle chinesischen Meister sind Taoisten!) eher als Hüter uralten Wissens betrachtet. Die taoistische Beziehung zwischen Lehrer und Schüler gleicht mehr der zu einem älteren respektierten Freund, der einen anderen unterstützt, als der zu einem gottgleichen Meister, der einem einfachen Sterblichen aus der Klemme hilft. Die Taoisten gehen davon aus, dass im Tao alle eins sind. Sie bezeichnen sich gegenseitig als "Freunde im Tao". Infolgedessen hinterließen Bruces Lehr- und Wanderjahre bei den Taoisten viel angenehmere Erinnerungen bei ihm als die Schulung unter den indischen Gurus.

In Indien gelang es Bruce, zwischen den beiden klassischen Systemen der inneren Energie präzise Vergleiche anzustellen und wertvolles Wissen über die Meditation und Chi zu sammeln. Er infizierte sich aber auch mit einer fast tödlich verlaufenden Gelbsucht.

Taiwan, Hongkong, Poona, Beijing:
Vom hochkarätigen Kämpfer zum hochkarätigen Heiler

Die extrem bösartige Form von Gelbsucht, die Bruce sich in Indien zuzog, kostete zwei engen Freunden von ihm das Leben. Er selbst überstand sie nur mit einer stark angegriffenen Leber. Heute ist er überzeugt davon, dass er ohne die Energieübungen des Tal Chi und Qi Gong in Indien gestorben wäre. Sein Zustand war höchst kritisch. Er lag in einem Krankenhausbett und konnte sich kaum bewegen. Der untersuchende indische Arzt sagte ihm, dass er sich in Lebensgefahr befände. Er war sicher, dass es mit ihm tatsächlich zu Ende gehen würde, wenn er nicht selbst etwas unternähme. Er quälte sich aus dem Bett, richtete sich, am ganzen Körper zitternd, auf und zwang sich, Tai Chi und Qi Gong Bewegungen auszuführen. Sein ganzer Körper schmerzte, aber er gab nicht auf, bis er endlich kraftlos aufs Bett fiel. Danach schlief er drei Tage in einem durch. Als er aufwachte, wusste er, dass er überleben würde.

Nachdem er wieder zu Kräften gekommen war, kehrte er nach Taiwan zurück. Dort übte er die inneren Kampfkünste mit großer Leidenschaft und trainierte während der nächsten vier Jahre bei dem Bagua Kampflehrer Hung I Hsiang. Bruce ist davon überzeugt, dass dieses Training seine Leber regenerierte und er nur deshalb die Kampfkünste weiter studieren konnte. Er erforschte die halb inneren, halb äußeren Kung-Fu-Stile der "Acht betrunkenen Unsterblichen", der "Nördlichen Gottesanbeterin", des "Fukien Weißer Kranich", des "Nördlichen Affen" und des "Wing Chun". Dabei stellte er fest, dass viele der wirklich überragenden Kampfkunstlehrer, die vom chinesischen Festland stammten, schon sehr alt waren. Hier ergab sich vielleicht eine letzte Chance für ihn, ihre Kampfstile noch vollständig und unverfälscht zu lernen, bevor die Meister diese Welt unwiderruflich verlassen würden.

Während der Phase dieser unglaublich intensiven Hinwendung zu den Kampfkünsten fand Bruce auch noch die Zeit, medizinisches Qi Gong für bestimmte Krankheitsbilder zu studieren. Sein besonderes Augenmerk galt der Regeneration von Nerven und Rückenmark. In dem Maße, wie sein Energiespiegel durch die Ubungen kontinuierlich anstieg, hatte er auch wieder Zeit für die Meditation. Er übte bei Taoisten, die sich hauptsächlich damit beschäftigten, körperlich und geistig negative Emotionen zu beseitigen.

Gegen Ende 1975 flog Bruce nach Manhattan zurück. Dort unterrichtete er hauptsächlich privat und behandelte eine kleine Patientengruppe mit Qi Gong Übungen und Tuina. Er fühlte sich noch nicht so weit, öffentlich zu unterrichten, weil er zum einen die östlichen Traditionen respektierte und zum anderen noch nicht genügend Erfahrung hatte. Er traute sich auch nicht zu, die Entwicklung seiner Schüler so zu überwachen, wie er es für angemessen hielt, da er zwischen Asien und den Vereinigten Staaten hin- und herpendelte.

Bei diesem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten wurde ihm bewusst, welche entscheidende Rolle der Stress spielt. Er sah die große Zahl derer, die sich durch Überarbeitung und Sorgen völlig verausgabten. Bruce dachte viel darüber nach, wie sich seine taoistischen Erkenntnisse zur Lösung dieser Probleme anwenden ließen, wusste aber auch, dass seine medizinische Ausbildung noch lückenhaft war. Viele strukturelle Gesundheitsprobleme der inneren Organe ließen sich mit seinen damaligen Qi Gong Kenntnissen noch nicht behandeln. Er führte sorgfältig Buch über seinen Ausbildungsstand und seine Wissenslücken. Als er nach einem Jahr nach Asien zurückkehrte, bemühte er sich, die fehlenden medizinischen Kenntnisse zu ergänzen.

Seine Recherchen zum Verständnis der Emotionen und ihrer Wirkung auf Stress induzierende Faktoren führten ihn 1977 nach Poona in Südindien. Dort konnte er seine Tantra Studien fortsetzen. Gleichzeitig Schloss er sich einer Gruppe an, in der die Zusammenhänge zwischen Gefühlen, psychischen Bereichen, Meditation und Chi erkundet wurden und dazu Kundalini mit psychotherapeutischen Techniken der New-Age-Bewegung kombiniert wurde. Jetzt begriff er, wie sich das Denken des westlichen Menschen mit dem östlichen System der Energiearbeit vereinbaren ließ.

Gegen Ende 1977 war er wieder in Taiwan und studierte zwölf Stunden pro Tag die inneren Energiesysteme. Er verbesserte sein Bagua, versenkte sich in taoistische und tantrische Meditation, beschäftigte sich mit der Auflösung gestauter emotionaler Energie und setzte seine medizinischen Studien an Rückenmark und Nervensystem fort. 1978 bestand er in Hongkong die Prüfung für höhere Akupunktur, entschied sich aber, der Qi Gong Therapie treu zu bleiben.

In den letzten Monaten des Jahres 1979 übersiedelte er nach Denver, Colorado, und eröffnete eine kleine Schule für eine begrenzte Anzahl von regelmäßig übenden Schülern. Erst nach seinem Studium bei Großmeister Liu in Beijing vertraute er seiner Beherrschung der inneren Prinzipien des Qi Gong genügend, um öffentliche Seminare zu geben und Bücher zu diesem Thema zu schreiben. Nachdem er bei Vollkontakt-Kämpfen jahrelang eindrucksvolle Siege errungen hatte, begann Bruce sich nun von der Kampfszene abzuwenden und sich noch intensiver für Therapie und Meditation zu interessieren. Obgleich er danach, vor allen Dingen in Beijing, seine Kampftechniken weiter verbesserte, hatten sich seine Ziele klar und unwiderruflich geändert. Im Sommer 1981, als er bei Großmeister Liu Hung Chieh die Grundlagen für seine weitere Entwicklung erhielt, war er dermaßen in seine Ausbildung vertieft, dass er nicht ein einziges Mal die Zeit erübrigte, die von Lius Haus nur fünf Minuten entfernte Verbotene Stadt zu besuchen.

im Herbst 1981 kehrte Bruce nach Denver zurück. Dort begann er in aller Muße wieder zu unterrichten und Lehrer auszubilden. Fast wäre er zum lebenslangen Krüppel geworden.

Denver: Die Krise der Selbstheilung

Anfang 1982 wurde Bruce in einen furchtbaren Autounfall verwickelt, bei dem er schwerste Verletzungen an der Wirbelsäule davontrug. Zwei Wirbel waren vollständig gebrochen, andere wiesen Haarrisse auf; viele Bänder und Sehnen der Wirbelsäule waren gerissen und alle Wirbel aus ihrer Normallage gesprengt. Die Chirurgen drängten ihn zu einer Spinalfusion (operative Versteifung benachbarter Wirbelkörper), aber Bruce lehnte das, unter höllischen Schmerzen leidend, vehement ab. Seine lange Erfahrung mit Qi Gong und Tuina hatte ihn gelehrt, dass sein Körper nach einer derartigen Operation nie wieder den ursprünglichen Energiezustand erreichen würde. Nachdem er sich die Chirurgen vom Leib gehalten hatte, begann Bruce, flach auf dem Rücken liegend, pro Tag acht bis zehn Stunden Qi Gong zu üben.

Wunder stellten sich nicht ein. Es war eine lange Reinigende Tortur, die Wirbelsäule mit diesen Techniken wieder zu regenerieren. Komplikationen traten auf. Bruce spricht heute noch davon, wie die Verletzung der Wirbelsäule alle psychischen Kontrollmechanismen stillgelegt hatte. Die dunkelsten Kräfte drängten aus den tieferen Schichten seines Geistes an die Oberfläche. Ohne die jahrelangen speziellen Konzentrationsübungen wäre er zu einem Leben in einer psychiatrischen Anstalt verdammt gewesen. Doch er hielt durch.

Die emotionale Belastung, die zu den permanenten Nervenschmerzen hinzukam, machte das Leben jedoch für ihn wie für seine Umgebung unerträglich. Der plötzliche Verlust seiner körperlichen Kräfte und Fähigkeiten, der gebrochene Stolz des Athleten - all das waren verheerende Schläge. Er verfiel in entsetzliche Niedergeschlagenheit, verlor alles Interesse an Tal Chi und konnte wegen der Schmerzen kein Bagua mehr üben. ihm war klar, dass er etwas für seine geistige und moralische Verfassung tun musste. Das Gefühl, für sich und seine Schüler nutzlos zu sein, durfte nicht anhalten. Als die Qi Gong Übungen seine Wirbelsäule so weit wiederhergestellt hatten, dass er sich mehr schlecht als recht bewegen konnte, nahm Bruce an verschiedenen Psycho- und Körpertherapien in Colorado und Oregon teil. Sie halfen zum Teil und stärkten seine mentale Stabilität. Aber wie wirksam eine Psychotherapie auch sein mag, Nervenschmerzen rund um die Uhr hinterlassen emotionale Verwüstungen. Die angewandten psychologischen Methoden reichten nicht aus.

Bruce versuchte es mit allen möglichen Körpertherapien, einschließlich Chiropraktik, Tiefengewebsmassage, Rolfing, Akupunktur, Massage und diversen Bewegungstherapien. Sie halfen auch ein wenig, weil sie die Schmerzen kurzfristig dämpften, aber die Qualen kehrten immer wieder zurück. Als er einsah, dass ihn die im Westen verfügbaren Heilmethoden nicht endgültig und vollständig wiederherstellen konnten, tat Bruce, was er schon mehrfach getan hatte: Er begab sich auf die Suche nach China - dieses Mal, um die geeignete Heilmethode für seinen Körper zu finden.

Wieder in Beijing: Die abschließenden Lehren bei Liu

Liu hatte sich zur Meditation zurückgezogen und war für niemanden zu sprechen, als Bruce im Sommer 1983 in Beijing eintraf. Ein weiteres Empfehlungsschreiben von Bai Hua, seinem Lehrer in Hongkong, ermöglichte ihm, die inneren Techniken des Yang-Stils bei Lin Du Ying in Xiamen, Provinz Fujien, zu studieren. Obgleich Bruce schon bei vielen Lehrern Yang-Stil Tal Chi geübt hatte, unter anderem bei Yang Shao Jung, dem Urenkel des Yang-Stil Begründers, empfand er höchsten Respekt für Lin. Dieser schien ihm der außergewöhnlichste Vertreter des Yang-Stils zu sein, den er je erlebt hatte. Da Bruce in aller Form als enger Schüler angenommen worden war, erhielt er sämtliche Lehren korrekt und vollständig übermittelt. Er empfand es als große Ehre, das geheime Wissen über Tai Chi von Lin zu empfangen.

Als Liu nach neun Monaten endlich Zeit hatte, suchte Bruce ihn wieder auf. Während die Übung des Yang-Stils seine Hals- und Rückenschmerzen gelindert hatte, quälte ihn der restliche Körper immer noch. Liu verordnete ihm Wu-Stil Tai Chi. Dieser Stil betont sanft heilende Bewegung und Meditation, stärkt den Körper und klärt den Geist. Innerhalb weniger Monate verschwanden durch diese Übung die Schmerzen in Bruces mittlerem und unterem Rücken völlig.

Er wurde dann in taoistischer Meditation unterrichtet, zweimal am Tag jeweils zwei bis drei Stunden. Sobald der Rücken ausreichend geheilt war, fing Liu auch mit der Unterweisung in Bagua, Hsing-I und weiteren Qi Gong Methoden an. Die Ausbildung verlief während der nächsten drei Jahre nach dem immer gleichen Schema, ohne Unterbrechung, sieben Tage pro Woche.

Liu ergänzte die Lücken in Bruces bisheriger esoterischer Ausbildung und führte ihn in Bereiche des Geistes, von deren Existenz er nichts gewusst hatte. Er führte ihn durch alle Stufen der taoistischen Meditation, bis er unmittelbar die Instanz erfuhr, wo alles mit dem Tao vereint ist. Liu wünschte, dass Bruce nicht nur die inneren Kampfkünste und Qi Gong unterrichten sollte (dazu war er inzwischen von Grund auf qualifiziert), sondern auch, falls er sich dazu bereit fühlte, taoistische Meditation. Dank Liu konnte er das in diesem und weiteren Büchern dargestellte Qi Gong System systematisch zusammenstellen. Der an sich konservativ eingestellte Großmeister Liu hatte den bis dahin beispiellosen Schrittgewagt, einem westlichen Ausländer die Weitergabe von Wissen zu erlauben, das selbst in China von alters her geheim geblieben war.

Am 1. Dezember 1986 starb Liu. Nur einen Tag zuvor hatte er Bruce noch die letzte Spezialtechnik aus dem Bagua erläutert, die höchste Stufe des Wu-Stils anvertraut und formell das Wissen der Linie auf ihn übertragen. Der Abschied von diesem ungewöhnlichen Manne war für Bruce schwer zu bewältigen; gleichzeitig empfand er tiefe Dankbarkeit dafür, einem solchen Menschen begegnet zu sein. Die Lehrzeit bei Liu erschien ihm wie ein großes und seltenes Geschenk. Nachdem ihm die Ehre gewährt worden war, Lius Asche umzurühren - eine Handlung, die gewöhnlich den engsten Familienangehörigen vorbehalten bleibt -, kehrte Bruce in die Vereinigten Staaten zurück.

Bruces Ziel war und ist seitdem, im Westen so viel wie möglich von Lius Lebensförderndem Wissen weiterzugeben. Durch die ihm erwiesene Großzügigkeit gewann Bruce Wissen und Selbstvertrauen. Nun hofft er, die Kulturen einander näherzubringen, indem er den Menschen im Westen diese fernöstlichen Kenntnisse zugänglich macht. "Die Zeit der Geheimnisse", so Bruce, "ist vorbei."

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Ivan Boyanov, Bulgaria