Liu Hung Chieh - Taoistischer Linienhalter und Meister

Die Kunst in höchster Vollendung

Mein letzter Lehrer in China, Liu Hung Chieh, war ein Meister des Ba Gua, des Tai Chii und des Hsing-Ii sowie der daoistischen Meditation. Außerdem war er ein Meisterkalligraph und klassischer chinesischer Gelehrter, der zudem das volle Wissen der Theorie der chinesischen Medizin besaß.

Wenn ich das Kreisgehen übte, dann war Liu in der Lage, auf der geistigen Ebene einen Kontakt mit meinem Körper herzustellen und mich durch die Kontrolle der Energie in meinem Körper buchstäblich durch den Raum zu bewegen. Er vermochte dies zu tun, wenn er entweder mit mir übte, wenn er in Meditation saß oder, am kraftvollsten, wenn er Kalligraphie übte, was er jeden Tag tat. Wenn er schrieb, war das wie in den Geschichten über die alten Daoisten, die durch das Schreiben von Talismanen mystische Geschehnisse bewirken konnten.

Manchmal, wenn er mich mit seinem Chi bewegte, war mir, als senkte sich ein Nebel vom Himmel auf mich herab, seltsamerweise ein Nebel, der schwer zu wiegen schien. Ich Hatte zuerst das Gefühl, dass dieser Nebel mich ganz ausfüllte, und dann bewegte mich etwas durch den Raum, Bei anderen Gelegenheiten hatte ich das Gefühl, als versuchte ich durch eine dicke Wand aus Schlamm hindurchzugehen. Es war unglaublich, Durch die Kalligraphie wurde Lius Kraft wie mit einer Linse fokussiert. Liu erzählte mir, dass sein Lehrer Ma Shr Ching mit Schwertern oder mit der leeren Hand zu üben pflegte, während Tung Hai Chuan in Meditation saß. Tung korrigierte Ma dann mit geschlossenen Augen und sagte ihm, was er tun solle. Wenn Liu das mit mir machte, konnte ich fühlen, wie seine Energie in meinem System aufwallte. Er brauchte nichts zu sagen, seine Energie kam einfach bei mir an. Zu seiner Lehrmethode gehörten auch einige körperliche Korrekturen und Unterweisungen, aber er arbeitete hauptsächlich mit solchen Chi-Übertragungen.

Da ich bereits solch umfangreiche Erfahrungen mit körperlichen Bewegungen und den Techniken der Kampfkünste gesammelt hatte, konzentrierte Liu sich darauf, mir zu zeigen, wie meine innere Energie fließen sollte, indem er seine eigene Energie anwendete und sie in meinen Körper übertrug, während ich Soloübungen machte. Er trainierte mich auch in den freien Kampfkunst-Handtechniken sowie in den Heilmethoden der Qii Gong Therapie des Ba Gua und im Tui Na, einer Form von Körperarbeit (siehe Seite 422). Wang Shu Jin, Hung I Hsiang und Liu Hung Chieh besaßen alle eine unglaubliche Kraft. Alle drei waren fähig, Energie freizusetzen (Fa Jin), mit der sie einen Gegner mühelos und schmerzlos entwurzeln und selbst die stärksten Männer mehrere Meter in jede gewünschte Richtung davonschleudern konnten. Sie besaßen auch die Fähigkeit, einen Gegner ohne offensichtliche Kraftanstrengung zu berühren und ihre Energie in seinen Körper zu projizieren, um dort, wenn es nötig war, Schmerzen auszulösen oder eine Verletzung zuzufügen. Liu besaß darüber hinaus auch die Fähigkeit, mit derselben leichten Fa-Jin-Berührung zu heilen.

Liu besaß die meiste Kraft von den dreien. Es mag schwer fallen, das zu glauben, denn Liu wog weniger als 50 Kilo, während Hung über 100 Kilo wog und Wang sogar um die 130 Kilo. An einem meiner ersten Tage bei Liu fragte Liu mich nach meinem Kampfkunsthintergrund. Er meinte, ich sähe groß und stark aus, was auch stimmte, da ich über 90 Kilo wog. Er machte einen kleinen Test mit mir: Er stand auf, nahm mit der Hand die Positur der Ersten Hand (Single Palm Changei) ein und forderte mich auf, seine Hand zu bewegen. Ich war nicht dazu fähig.

Auch unter Aufwendung all meiner Kraft und trotz all der Fähigkeiten und Kräfte, die ich in zwanzig Jahren des Kampfkunsttrainings erworben hatte, vermochte ich nicht einmal einen seiner Finger zu bewegen. Genau wie Wang gesagt hatte, meinte auch Liu, es sei wichtiger, Chi zu besitzen, als über Größe, Jugend oder Kraft zu verfügen.

Liu’s Weg in seiner Jugend

Liu kam aus einer reichen Familie. Er war ursprünglich ein eher schwächlicher junger Mann gewesen, der sich auf das Studium des Konfuzianismus konzentrierte. Er promovierte sogar an der Universität von Beijing, was zu seiner Zeit für einen künftigen Meister der Kampfkunst eher ungewöhnlich war. Da er in seiner Jugend so zart besaitet war, sagte Liu sich, er könne in seinem späteren Leben leicht gesundheitliche Probleme bekommen, wenn er nichts zur Stärkung seines Körpers täte. Anders als viele andere künftige Meister der Kampfkunst, kam er nicht vom Lande oder aus der Arbeiterklasse, wo man seinen Körper durch harte körperliche Arbeit kräftigte. Da er genauso stark sein wollte wie die meisten seiner männlichen Altersgenossen und da er ein begeisterter Leser der Kampfkunstromane jener Zeit war, bat er seine Eltern um Erlaubnis, die Kampfkunst zu studieren.

Sie brachten ihn zum Training zu einem angesehenen Meister des Systems der Kampfkunst des Sechs-Kombinationen-Stils des Nördlichen Shaolin. Lius Situation ähnelte damals der der meisten heutigen amerikanischen oder europäischen Stadtbewohner aus der Mittelschicht oder Oberschicht, die eine Kampfkunst erlernen möchten. Er widmete sich der Kampfkunst mit großem Enthusiasmus und machte schnell Fortschritte, da er sehr eifrig übte. Bald war sein Meister der Ansicht, er habe die Grundlagen der Kunst trefflich erlernt. Er meinte auch die Verantwortung zu haben, einen talentierten Schüler wie Liu an einen Meister mit größeren Fähigkeiten weiterzugeben, bei dem Liu eher sein volles Potential ausschöpfen könnte.

Also brachte Lius Shaolin-Lehrer ihn zu der letzten intakten Schule der ursprünglichen Ba-Gua-Tradition Bejings. Dies war die Schule von Cheng Ting Hua in Chang Wen Men Wai Hua Shi, wo es die größte Versammlung von Ba-Gua-Praktizierenden in Beijing gab.

Liu wurde von Cheng Ting Huas Sohn You Lung formell in die Linie eingeführt. Mit seinen vierzehn Jahren war Liu die letzte Person, die zu der ursprünglichen Ba-Gua-Schule zugelassen wurde. Der nächstjüngere Schüler war 30 Jahre alt. Hier kamen nicht nur die Schüler zusammen, die den Cheng-Stil studierten, sondern auch Praktizierende aller anderen Stile des Ba Gua, um miteinander zu üben. Die jüngeren Schüler wurden von älteren Praktizierenden unterrichtet, die manchmal dreißig oder vierzig Jahre älter waren und schon seit Jahrzehnten Ba Gua praktiziert hatten. Liu lernte nicht nur den Cheng-Ting-Hua-Drachenstil, sondern auch den YinFu-Weidenblatthand-Stil.

In einer großen Trainingshalle nahmen sich die einzelnen älteren Schüler jeden Abend einen jüngeren Schüler vor, um mit ihm zwei bis drei Stunden lang die Technik des Gehens zu trainieren. Von jedem Schüler erwartete man, dass er am Vormittag allein für sich das übte, was er am Abend zuvor gelernt hatte, und Liu tat genau das. Nach der Soloarbeit machte Liu Übungen mit einem Partner, sowohl mit der leeren Hand als auch mit Waffen, und praktizierte zudem Sparring. Jeden Abend ging Liu nach Beendigung seiner Schularbeiten in die Kampfkunstschule. Das ging zweieinhalb Jahre so weiter, bis die Schule aufgelöst wurde. Liu verbeugte sich formell vor Cheng You Lung und Cheng unterwies ihn. Da Liu jünger war als alle anderen Besucher der Schule, wurde er zu deren Maskottchen. Er bekam von vielen der älteren Schüler Einsichten und Übungsmethoden übermittelt. So wurde er auch in das Hsing-I Chuani eingeführt und begann es zu üben. Diese Schule war in der Tat eine Arena, in der sich die besten Ba-Gua-Praktizierenden aus ganz Beijing trafen.

Nachdem die Schule aufgelöst worden war, lernte Liu noch für ein weiteres Jahrzehnt bei den Praktizierenden, die er in der Schule getroffen hatte. Ju Wen Bao unterrichtete Liu anfangs in den Meditationstechniken des Ba Gua. Die Person, von der Liu nach eigener Aussage jedoch das meiste über die Meditation und die Chi-Übungen des Ba Gua lernte, war Ma Gui (Ma Shr Ching). Ma war einer der besten vier Schüler von Tung Hai Chun und nahm offiziell keine Schüler an. Doch Ma mochte Liu und führte ihn deshalb in die Energiearbeit auf höherer Ebene ein, die er bei Tung gelernt hatte. Ma war damals bereits ziemlich alt und liebte es zu trinken, und er meinte, es sei ein Jammer, dass er Liu nicht schon in jüngeren Jahren begegnet sei. Liu sagte stets, seine Ba-Gua-Bewegungen seien zwar grundsätzlich die der Cheng-Schule, er habe die meisten Aspekte seiner inneren Chi-Arbeit aber bei Ma Gui gelernt.

Das goldene Zeitalter der Kampfkünste

Liu erzählte mir, es habe vor 1928 eine sehr aktive Kampfkunstgemeinschaft in Beijing gegeben, die aus Menschen bestand, die das Gung Fu wirklich verstanden und die die Kampfkunst tatsächlich anzuwenden wussten. Er meinte, es habe auch viele gegeben, die nur herumspielten und die kein Gung Fu besaßen, aber er habe etwa 200 Praktizierende gekannt, die es tatsächlich hatten. Das waren diejenigen, um die sich Legenden rankten, und jeder von ihnen vermochte das Potential seines Gung-Fu-Systems zu manifestieren. Heutzutage findet man eine solche Masse an Können nicht mehr an einem einzigen Ort konzentriert. Ähnlich wie es im Paris der 1920er Jahre einen Boom der Künstler und Literaten gab, war diese Ära das Goldene Zeitalter der Kampfkünste in Beijing.

1928 fand das erste moderne Turnier der Kampfkünstler auf nationaler Ebene in China statt. Liu Hung Chieh war bei diesem Turnier der Vertreter seiner Pekinger Schule. Damals war außer Hieben in die Leistengegend, die Augen und gegen die Kehle alles erlaubt. Die Wettkämpfe waren außerordentlich brutal und mussten nach zwei Tagen abgebrochen werden, da man fürchte, es würde zu viele Tote und Verkrüppelte geben. Es gab so viel Gewalt, dass man bereits nach der Hälfte des Turniers den Gewinner einfach durch Abstimmung bestimmte. Die Entscheidung fiel zugunsten der Hsing-I Schule. Obwohl die Ausübenden der Ba-Gua-Schule genauso viel Schaden hätten anrichten können wie die Hsing-I Leute, waren sie nicht bereit, leichthin die Option der Größten Gewaltanwendung zu wählen, nur um zu gewinnen. Liu gewann alle seine Kämpfe, jedoch mit einer interessanten Wendung. Die Eltern des jungen Mannes, der sein letzter Gegner sein sollte, flehten Liu an, ihren Sohn nicht zu verletzen oder zu verstümmeln. Dies war in den meisten Kämpfen das übliche Verhalten, weil der Überlegene keinen Zweifel daran lassen wollte, wer wirklich gewonnen hatte. Die Eltern sagten Liu, sie würden sehr zu leiden haben, wenn ihr Sohn nicht in der Lage sein würde, sie im Alter zu versorgen. Zu jener Zeit war Liu ein ergebener Anhänger der konfuzianischen Tradition, und ihm war klar, wie dringlich ihr Anliegen sein musste, denn dadurch, dass sie ihn abbettelten, verloren sie ihr Gesicht. Als Akt des Mitgefühls berücksichtigte er die Bitte der Eltern: Nachdem er seine Überlegenheit genügend deutlich demonstriert hatte. Um den Kampf zu gewinnen, hielt er sich von dem jungen Mann fern, statt die endgültige Konfrontation zu suchen, wie er das ursprünglich geplant hatte. An jenem Turnier nahmen übrigens auch Lius Freund Wang Lai Sheng teil, ebenso wie Wu Tu Nan, ein Schüler von Wu Jien Chuan, der Drei oder vier Jahre älter war als Liu. An jenem Turnier nahmen übrigens auch Lius Freund Wang Lai Sheng teil, ebenso wie Wu Tu Nan, ein Schüler von Wu Jien Chuan, der Drei oder vier Jahre älter war als Liu.

Es war vor allem Lius Abschneiden bei diesem Turnier, weshalb er von 1932 bis 1934 zum Hauptlehrer der Kampfkunst-Akademie der Zentralregierung der Provinz Hunan in Changsha ernannt wurde. Während dieser Zeit waren Wu Jien Chuans Söhne Wu Gong I und Wu Gong Zao Assistenzlehrer unter Liu. Wu Jien Chuan und sein Vater Chuan You begründeten gemeinsam den Wu-Stil des Tai Chi Chuan, der nach dem Yang-Stil, aus dem er hervorging, zum zweitpopulärsten Stil des Tai Chi in China wurde. Obwohl die beiden Wus nicht stark genug waren, um Liu physisch von den Qualitäten des Tai Chi zu überzeugen, erregten ihre langen Gespräche über die Philosophie des Tai Chi, die das Weiche und das Nachgeben betont, doch sein Interesse. Diese Beziehung führte letztlich dazu, dass Liu im Haus von Wu Jien Chuan in Hongkong lebte und zu seinem Schüler wurde.

Buddhismus, Taoismus und das I Ching

Nachdem Liu Tan Hsiu Fa Shr, einen erleuchteten Meister der Tien-TaiSchule getroffen hatte, begann er sich für den Buddhismus und seine spirituelle Lebensweise zu interessieren. Nach relativ kurzer Zeit bestätigte Tan Hsiu, dass Liu die Natur der Leere begriffen habe; dies ist das wichtigste Ziel der spirituellen Praxis des Mahayana-Buddhismus, das, was im Westen oft als Erleuchtung bezeichnet wird. Nachdem er unter der Führung von Tan Hsiu Fa Shr die spirituellen Lehren des Tien-Tai-Buddhismus verwirklicht hatte, verbrachte Liu zehn Jahre allein in den Bergen von Westchina, wo er bei verschiedenen daoistischen Meistern studierte, von denen er die Methoden der daoistischen inneren Alchimie erlernte.

Seine erste Begegnung mit dem Daoismus hatte er im Alter von zehn Jahren gehabt, als der Tempel der Weißen Wolken in Beijing zu Neujahr für die Allgemeinheit geöffnet war. Der Tempel war für den Jungen ein magischer Ort, und das, was ihn am meisten beeindruckt hatte, war eine Gruppe von Adepten gewesen, die über eine Woche lang vierundzwanzig Stunden am Tag bewegungslos in Meditation saßen.

Im westlichen China lernte Liu bei einzelnen daoistischen Adepten und umging so den Weg des Klosterlebens, den er im Buddhismus kennen gelernt hatte. In seinen Gesprächen mit mir konzentrierte Liu, der von Natur aus nicht gerade gesprächig war, sich auf die Übungen und ließ nicht viel über seine Lehrjahre in der Vergangenheit verlauten. Er sagte, er habe bei jenen daoistischen Adepten seine Studien über das Chi abgeschlossen und dort die Wurzeln des I Ging und deren Manifestationen begriffen. In der Folge verlagerte Liu den Schwerpunkt seiner Aktivitäten von der Kampfkunst hin zum Daoismus, wozu auch die Totalität des Ba Gua gehörte. Während der folgenden siebenunddreißig Jahre in Beijing arbeitete Liu vor allem für das spirituelle Wohl der Menschheit, da er zum Oberhaupt der nördlichen Linie des Daoismus ernannt worden war.

Während er mich unterwies, gab es ein ständiges Hin und Her zwischen unterschiedlichen Themen, mit deren Hilfe Liu mir seine daoistischen Lehren vermittelte. Er meinte, es sei ein glücklicher Umstand, dass wir viele Interessen gemeinsam hätten - Chi Gungi, die inneren Kampfkünste, Meditation und die innere Alchimie. Er hätte mich gern mit den Mitteln der Literatur und der Kalligraphie geschult, aber da ich das klassische Chinesisch dazu nicht hinreichend beherrschte, unterwies Liu mich durch direkt erfahrbare Chi-Übertragungen und nicht mit Hilfe der intellektuellen literarischen Tradition.

Noch am Tag bevor er starb, sagte mir Liu, wie schon einige Male zuvor, er habe all sein Wissen in mein Bewusstsein übertragen, so dass weitere Übung dafür sorgen könne, diese Samen zu Bäumen heranwachsen zu lassen. Da ich nur ein gewöhnlicher Sterblicher bin, wachsen diese Samen in mir nur langsam, aber Liu ist für mich immer noch eine Quelle nie endender Inspiration in Hinsicht auf die Möglichkeiten des Geistes.

Am letzten Tag seines Lebens lehrte Liu mich die inneren Aspekte der letzten Hand des Ba Gua und den letzten Teil der transformierenden Chi-Arbeit des Wu-Stil Tai Chi.i Dies war die intensivste energetische Arbeit, die ich je erfahren habe. Als ich Liu das sagte, meinte er, für ihn sei das ganze noch viel anstrengender. Er verbrachte an jenem Tag viel Zeit damit, sein Wissen mit mir zu teilen und noch offene Fragen zu beantworten. Am nächsten Tag starb Liu nur eine Stunde vor Beginn unseres gewöhnlichen Unterrichts. Drei Tage später war sein Körper noch immer weich und biegsam - ein Zeichen dafür, dass hier ein Adept gestorben war. Sein Leichnam wurde verbrannt. Ich war lange Zeit sehr traurig über seinen Abschied.

Der Unterrichtsstil von Liu

Liu benutzte sämtliche Lehrmethoden von Wang, Hung, Huang und Bai Hua und band einzelne Stränge ihrer Lehren zu einem kohärenten Ganzen zusammen. Er ging aber auch über ihre Lehren hinaus in völlig neue Bereiche. In der Kampfkunst bevorzugte er die großen Bewegungen von Wang und Bai Hua, weil sie förderlicher für die Gesundheit des Körpers waren und man damit die rohe körperliche Kraft am besten entwickeln konnte. Er nahm dann all die inneren Komponenten kleiner Bewegungen und kombinierte sie innerlich zu großen Bewegungen. Wenn Liu also einen Hieb ausführte, veränderte er den inneren Druck seines Hiebes (mit demselben Grad an Präzision, wie es Hung und Huang bei ihren kleinen Bewegung und ihrer Verlagerung der Körpermechanik taten), ohne dass sich seine äußere Form im Geringsten veränderte.

Liu besaß auch einen Gesamtüberblick über die Vernetzung im Chi Gung und verstand diese zu kommunizieren. Diese Erfahrung war etwas ganz anderes als das, was ich mit meinen anderen Lehrern erlebt habe. Sie waren Adepten spezieller Bereiche des Chi Gung, aber sie vermochten nicht die unterschiedlichen Stränge im Gesamtgewebe des Chi Gung zusammenzufassen. Liu war auch sehr gut darin, zu erklären, wie die verschiedenen Techniken der Kampfkunst, wenn man sie separat oder in unterschiedlichen Kombinationen ausführt, das Chi des Körpers in medizinischer Hinsicht verändern. Er wusste zudem, welche Chi-Kombinationen gut zusammenpassen, und welche sich in ihrer Wirkung neutralisieren oder unverträglich sind. Er äußerte sich auch sehr detailliert darüber, wie die Kampfkunsttechniken des Ba Gua, Tai Chi und zu einem geringen Grad des Hsing-I in der daoistischen Meditation direkt angewendet werden können, so dass eine echte spirituelle Praxis daraus wird.

Liu's Lehren über Moral

Liu ließ keinen Zweifel am spirituellen Wert der daoistischen Moralität, die viel mit den Werten der normalen chinesischen Kampfkünste oder der jüdisch-christlichen Moralität gemeinsam hat, sich oft aber auch sehr von diesen unterscheidet. Zu den grundlegenden moralischen Werten des Daoismus gehört die Regel, nicht in das natürliche Chi oder die Freiheit eines anderen Individuums oder in ein spontan entstehendes Ereignis einzugreifen oder diese zu manipulieren, wenn das nicht ausdrücklich gewünscht wird. Pragmatismus und Integrität basieren im Daoismus auf innerem Gewahrsein und Geistesklarheit und nicht auf Eigeninteresse oder spezifischen äußeren Formen und Regeln, die uns von der Gesellschaft auferlegt werden. Hier erwartet man, dass jemand das tut, was er sagt, und nur sagt, was er wirklich zu tun beabsichtigt und willens ist zu tun. Die Goldene Regel des Daoismus besagt: "Tue für andere, was du dir wünscht, das sie es für dich tun- sowie "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu-. Man sollte im Rahmen der eigenen Fähigkeiten und Einsichten immer das Bestmögliche versuchen, um Gleichgewicht und Harmonie in alle Situationen, die uns widerfahren, zu bringen.

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This tai chi training was a tranformational experience, breaking through one's sense of expectations, releasing stagnant areas in the body, mind and spirit.

L. Spiro